
Das diesjährige Forum Medienethik fand unter dem Titel „Dystopische Ängste, utopische Träume und eutopische Realitäten“ am 9. und 10. September in Soltau statt. Inhaltlicher Auftakt war die Keynote „Was Bildung sichtbar macht … jenseits von Lehrplan, Leistung und Beziehung“ von Roger Spindler. In seinem nicht nur visuell beeindruckenden Vortrag setzte er gesellschaftliche Veränderungen in Bezug zur Frage, wie Schule jungen Menschen Orientierung geben, ihr Urteilsvermögen schärfen und den Zusammenhalt fördern kann. Seine Kernthese lautet, dass gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz das Menschliche über die Zukunft entscheidet.
Nach diesem starken Impuls, der im 🎙️Podcast Schule Macht Medien nachzuhören ist, standen zunächst vertiefter Austausch und Diskussion auf dem Plan:
An den Tischen des World-Cafés wurde unter anderem diskutiert, wie Lernende durch Mitentscheidung, Debatten, Lebensweltbezug und handlungsorientierte Formate wie Planspiele oder Schülerfirmen zu echten Mitgestaltenden werden – viele Ideen kreisten um Freiräume für Neugier und Selbstwirksamkeit. Auch die Rolle von Beziehung, Freude und Humor beim Lernen kam zur Sprache, ebenso die Frage, wie Schulentwicklung und Fortbildung Lehrkräfte dabei begleiten können, digitale Werkzeuge und KI sinnvoll zu nutzen. Der sokratische Spaziergang, bei dem die Teilnehmenden in Vierergruppen unterwegs waren und im Gehen miteinander nachdachten, bot Gelegenheit, diese und viele andere Überlegungen zu vertiefen und zu erweitern. Die anschließenden Workshops zeigten konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Schule auf. Im Mittelpunkt standen dabei etwa der Social-Media-Pass Niedersachsen, der Umgang mit Deepfakes, die Frage, ob KI das eigene Lernen untergräbt, und ein „eutopischer Realitätscheck“ der KI-Transformation an Schulen.

Den zweiten Tag eröffnete Wolfgang Endres, der mit seinem Vortrag „Soziale Energie – auch mit KI?“ und der interaktiven Einbindung des Publikums sehr anschaulich machte, wie Resonanz wirken kann. Dabei stellte er auch Bezüge zu den Themen Rainer Mühlhoffs her, der seinen geplanten Vortrag leider absagen musste. Auch der Vortrag von Wolfgang Endres ist im 🎙️Podcast Schule Macht Medien dokumentiert. Und vielleicht ist Rainer Mühlhoff, der bereits 2024 beim Forum zu Gast war, bei einem der nächsten Foren wieder dabei.
In sechs thematisch unterschiedlichen Zukunftswerkstätten ging es abschließend darum, konkrete Ergebnisse mitzunehmen. Die Themen reichten von analogen Schutzräumen über Resonanzübungen und das Churer Modell bis zu Coaching-Strukturen und einem „Social Media Pass für alle“. Was die Arbeitsphase trug, war die Vorgabe, am Ende einen ersten Schritt zu benennen, der ohne Beschluss und ohne Budget möglich ist: Kolleginnen und Kollegen ansprechen, Zeiträume schaffen, Handlungsräume öffnen.
Sowohl die Evaluation als auch die Stimmen im gemeinsamen Abschluss zeigten, dass von beiden Tagen vielfältige Eindrücke und Anregungen hängengeblieben sind. Und so bleibt nicht zuletzt die Vorfreude auf das nächste Forum Medienethik, das dann schon sein zehnjähriges Jubiläum feiern wird: Am 15. und 16. September 2027 geht es unter dem Titel „Debattenkultur und Zugehörigkeit: Medienethik in der demokratischen Gesellschaft“ insbesondere um das Zusammenspiel von Medien, Bildung und ethischer Reflexion. Save the date!
